
“Die meisten der erfolgreichen Leute, die ich kennengelernt habe,
sind diejenigen, die mehr zuhören als reden.“
Bernard Baruch
Es gibt vor allem zwei Qualitäten, die zwar bedauerlicherweise selten, aber dennoch unabdingbar sind für jeden, der sich als Führungs- und Leitfigur behaupten will.
So lässt uns Paul Johnson in seinem bei www.forbes.com erschienenen Artikel Listening and Telling the Truth teilhaben an der Quintessenz seiner Studien berühmter Staatsführer.
Paul Bede Johnson – wer das ist? Nun, Paul Johnson ist ein bedeutender britischer Historiker und Autor und Journalist, der bereits mehr als 40 Bücher geschrieben (davon rund 20 historische Werke und Biographien) und zu zahlreichen Zeitschriften und Zeitungen beigetragen hat. Seine intensive Auseinandersetzung mit den wahrhaft großen Gestalten der Geschichte brachte ihn zu der Schlussfolgerung, dass ein Mensch zum Erlangen wahrer Größe – neben anderen Qualitäten – vor allem zwei Dinge beherrschen müsse, und zwar nicht nur gelegentlich, sondern ständig: Zuhören und die Wahrheit sagen!
Im Hinblick auf diese Qualitäten hat besonders George Washington gut abgeschnitten: Er hat sein ganzes Leben lang zugehört, weil er es liebte zu lernen, und weil er keinen überwältigenden Wunsch hatte zu reden, anders als die meisten Leute, die im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen. Laut Johnson gibt es eine Leidenschaft, auf die ein Führer, wenn möglich, verzichten sollte, und zwar eine Liebesaffäre mit seiner eigenen Stimme. Washington unterschied sich wohltuend von vielen seiner Amtskollegen, denn er „mochte glücklicherweise den Klang seines eigenen Schweigens“. Und: „Er sagte auch die Wahrheit, selbst wenn er zuweilen dem Rat von Edmund Burke folgte und sparsam war damit.“ Dennoch konnte Johnson bei seinen Recherchen zu seinem Buch George Washington auf keinen Vorfall stoßen, wo dieser wissentlich und willentlich die Wahrheit zurückgehalten hätte vor irgendjemandem, der ein Recht hatte, sie zu wissen.
Auch Calvin Coolidge, Spitzname „Silent Cal”, verstand es Zeit seines Lebens, diese beiden Qualitäten Schweigsamkeit und Wahrhaftigkeit in bewundernswerter Weise bei sich zu vereinen. Da seiner Beobachtung nach neun Zehntel der Besucher des Präsidenten im Weißen Haus etwas wollen, das sie gar nicht haben sollten, hatte er sich eine Taktik zu eigen gemacht: „Wenn man sich absolut ruhig verhält, werden sie in drei oder vier Minuten wieder auf den Boden der Tatsachen kommen."
Konsequenterweise blieb Coolidge stumm. Nur ein leichtes Zucken seiner Gesichtsmuskeln sprach für ihn, was ihn für viele Menschen in seinem Umfeld zu einem "eloquenten Zuhörer" machte. Wenn er jedoch den Mund aufmachte, sagte er die Wahrheit. Er erklärte seinen Landsleuten, dass Amerikas Angelegenheit das Business sei, dass es aber ‚direkt auf dem Gesetz der Dienstleistung ruhe‘.
Abraham Lincoln zeichnete sich ebenfalls aus durch seine Fähigkeit, sein Reden auf ein absolutes Minimum zu beschränken. Sein Motto in seinen eigenen Worten: "Ich neige bei jeglicher Gelegenheit sehr wenig dazu irgendetwas zu sagen, es sei denn, ich hoffe, dadurch irgendetwas Gutes zu bewirken." Das beste Beispiel für diese Devise ist seine Gettysburg-Ansprache, die Sie unter diesem Link in deutscher Sprache finden und die allgemein als rhetorisches Meisterwerk gilt, ein Teil des historisch-kulturellen Erbes der USA: eine dreiminütige Ansprache mit großer Wirkung also. Lincoln verstand es in einmaliger Art und Weise, das, was er den Menschen mitteilen wollte, nicht durch die Quantität der von ihm gewählten Wörter rüberzubringen, sondern durch ihre Qualität, und zwar ohne irgendwelche Einbußen im Hinblick auf ihre sachliche Präzision.
Was heißt das nun für Sie als Unternehmer und als Investor?
Hören Sie nie auf zu lernen. Schauen Sie, wer die Profis in ihrem jeweiligen Fach sind, und fragen Sie sie aus und hören Sie gut zu. Sie werden Unmengen lernen können.
Aber machen Sie Ihre eigenen Auswertungen und seien Sie Ihr eigener Ratgeber. Das ist manchmal eine schmale Gratwanderung und Sie wrden zu bestimmten Fragen mehrere Profis befragen müssen, um zu einer eigenen Schlussfolgerung zu kommen. Aber es ist machbar.
Robert T. Kiyosaki drückt es in seinem Buch Rich Dad, Poor Dad folgendermaßen aus:
„Ein wahrhaft intelligenter Mensch begrüßt neue Ideen, denn sie können das Zusammenspiel der anderen, bereits vorhandenen Gedanken verbessern. Zuhören ist wichtiger als reden. Wenn das nicht so wäre, dann hätte uns Gott nicht zwei Ohren, aber nur einen Mund gegeben. Viel zu viele Menschen denken mit dem Mund, statt zuzuhören und neue Vorstellungen und Möglichkeiten anzunehmen. Sie argumentieren, statt Fragen zu stellen.“
Und bezüglich der Qualität, die Wahrheit zu sagen: Sie können so ziemlich alles sagen, was Sie wollen, auch ohne jemanden zu verletzen. Der entscheidende Punkt ist die Goldene Regel: Der Ton macht die Musik!
Sagen Sie die Wahrheit, alles, was Sie für geboten und erforderlich halten, aber sagen Sie es so, dass Ihr Gegenüber damit umgehen kann. Denn nur dann werden Sie ihn oder sie auch wirklich erreichen. Und nur dann lohnt sich die Mühe überhaupt.
Gutes Investieren!

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